Signierung und Nummerierung von Originalgrafik

Wie der Künstler ein grafisches Werk authentifiziert

Originalgrafiken unterscheiden sich von Reproduktionen dadurch, dass jedes einzelne Exemplar einer Auflage Teil des originalen Kunstwerks ist. Um die Authentizität des Werkes, die Auflagenhöhe und die Zustimmung des Künstlers zu dokumentieren, hat sich eine etablierte Praxis der Signierung, Nummerierung und Angabe weiterer Informationen unter dem Bild entwickelt.

Informationen unter dem Bild

Die Angaben unter einem grafischen Blatt geben Auskunft über die Identität des Werkes, die Auflage und die Bestätigung des Künstlers. Obwohl es zwischen Künstlern und Traditionen unterschiedliche Varianten gibt, werden häufig eine standardisierte Anordnung und eine Reihe etablierter Abkürzungen verwendet.

Die Angaben unter einem grafischen Blatt werden üblicherweise mit Bleistift direkt auf das Papier geschrieben. Bleistift wird traditionell bevorzugt, da er über lange Zeit stabil bleibt, nicht in gleicher Weise wie Tinte in das Papier eindringt und sich als eigenständige dokumentarische Kennzeichnung vom Druckbild unterscheiden lässt.

Es sollen keine Schreibmaterialien verwendet werden, die nicht alterungsbeständig sind. Tinte, Filzstifte oder andere Pigmente, die mit der Zeit verblassen, sich verfärben oder abbauen können, können den dokumentarischen Wert des Werkes verringern und im schlimmsten Fall das Papier beschädigen. Bei Originalgrafiken, die häufig für die Bewahrung über viele Generationen geschaffen werden, ist die Verwendung stabiler Materialien ein wichtiger Bestandteil der professionellen Handhabung und Erhaltung.

Platzierung der Angaben

Bei traditionellen grafischen Blättern werden die Angaben unter dem Motiv häufig nach einer etablierten Konvention angeordnet.

Die Nummerierung der Auflage und zusätzliche Angaben wie Drucktechnik oder andere Hinweise werden üblicherweise links unter dem Bild platziert. Der Titel des Werkes steht häufig mittig, während die Signatur des Künstlers rechts angebracht wird. Falls eine Jahreszahl angegeben wird, steht sie meist zusammen mit der Signatur, häufig nach der Signatur oder direkt daneben.

Diese Anordnung ist keine verbindliche Regel, und Künstler können andere Lösungen wählen. Dennoch ist diese Aufteilung weit verbreitet und erleichtert das Lesen der Informationen: Auflage und technische Angaben links, der Titel des Werkes in der Mitte und die Bestätigung durch den Künstler rechts.

Nummerierung limitierter Auflagen

Originalgrafiken werden üblicherweise in begrenzten Auflagen hergestellt. Die Nummerierung gibt sowohl an, welches Exemplar ein bestimmter Druck innerhalb der Auflage ist, als auch die Gesamtzahl der hergestellten Exemplare.

Ein Beispiel ist 17/42. Dies bedeutet, dass es sich um das 17. Exemplar einer Auflage von 42 Drucken handelt. Nach Abschluss der Auflage sollen keine weiteren Exemplare derselben Ausgabe hergestellt werden.

Anstelle der traditionellen Nummerierung können Künstler die Auflagenhöhe auch mit Text angeben, zum Beispiel „eines von zweiundvierzig“. Dies bedeutet, dass das Werk eines von insgesamt 42 Exemplaren der Auflage ist. Der Text steht normalerweise auf allen Drucken dieser Ausgabe und gibt die Größe der Auflage an, nicht die Nummer des einzelnen Exemplars.

Offene Auflage (Open Edition)

Eine offene Auflage bedeutet, dass keine feste Obergrenze für die Anzahl der herzustellenden Exemplare festgelegt wurde. Solche Drucke können dennoch Originalgrafiken sein, wenn sie durch den eigenen künstlerischen Prozess als eigenständige grafische Werke geschaffen wurden.

Offene Auflagen haben jedoch in der Regel einen deutlich geringeren Wert als limitierte Auflagen, da die Anzahl der Exemplare nicht begrenzt ist. Das Fehlen einer festen Auflagenhöhe verringert die Seltenheit und damit gewöhnlich auch den Sammlerwert.

Titel

Der Titel ist ein wichtiger Bestandteil der Identifikation eines grafischen Werkes. Er stellt die Bezeichnung des Werkes durch den Künstler dar und unterscheidet es von anderen Arbeiten innerhalb desselben künstlerischen Schaffens oder einer Serie.

Einige grafische Werke besitzen einen spezifischen Titel, der für die gesamte Auflage gilt, während andere ohne Titel bleiben. In solchen Fällen werden häufig Bezeichnungen wie „Ohne Titel“ verwendet. Manche Künstler verwenden auch beschreibende Titel, Arbeitstitel oder nummerierte Titel als Bestandteil der Identität des Werkes.

Bei grafischen Arbeiten, die Teil einer Serie sind, kann der Titel mit einer übergeordneten Serienbezeichnung verbunden sein, während jedes einzelne Blatt eigene Varianten oder Bezeichnungen besitzen kann. Der Titel trägt somit dazu bei, den Zusammenhang des Werkes und seine Stellung innerhalb des künstlerischen Gesamtwerks zu dokumentieren.

Zusammen mit der Signatur des Künstlers, der Technikangabe und den Informationen zur Auflage gehört der Titel zur vollständigen Dokumentation des grafischen Werkes. Er ist daher nicht nur ein beschreibender Text, sondern ein Bestandteil der Identität und Authentifizierung des Werkes.

Signatur

Die Signatur bestätigt, dass der Künstler das Werk und die Auflage anerkennt. Eine Originalgrafik soll vom Künstler direkt auf dem Blatt signiert werden, üblicherweise als Teil der handschriftlichen Dokumentation unter dem Bild.

Die Signatur ist Bestandteil der Authentifizierung des Werkes und zeigt, dass der Künstler die Verantwortung für die endgültige Ausgabe übernimmt. Sie dokumentiert die Verbindung zwischen Künstler, Werk und der jeweiligen Auflage.

Angabe der Technik

Es ist üblich anzugeben, welche grafische Technik verwendet wurde, insbesondere bei traditionellen Druckverfahren. Diese Angabe informiert darüber, wie das Werk hergestellt wurde, und ist ein wichtiger Bestandteil der Dokumentation.

Beispiele für Technikangaben sind:

  • Holzschnitt
  • Linolschnitt
  • Radierung
  • Kaltnadelradierung
  • Lithografie
  • Serigrafie
  • digitale Originalgrafik / Digital Graphic Art (DGA)

Die Technikangabe kann auch genauer sein und Kombinationen verschiedener Methoden oder besondere Arbeitsprozesse beschreiben.

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen und Abkürzungen

Zusätzlich zur normalen Nummerierung der Auflage werden bestimmte Abkürzungen für besondere Exemplare außerhalb der Hauptauflage verwendet.

EA – Épreuve d’artiste (Künstlerexemplar)
Eigene Exemplare des Künstlers aus einer Auflage, die üblicherweise zusätzlich zur nummerierten Hauptauflage hergestellt werden.

HC – Hors commerce (Nicht im Handel)
Exemplare, die ursprünglich für den Künstler, den Drucker, Galerien oder andere Zwecke bestimmt waren und nicht für den regulären Verkauf.

PP – Printer’s Proof (Druckerexemplar)
Exemplare, die dem Drucker oder der Werkstatt gehören, die die Auflage hergestellt hat.

BAT – Bon à tirer (Druckfreigabe)
Das genehmigte Probedruckexemplar, das als Referenz für die Herstellung der restlichen Auflage dient.

V.E. – Variable Edition (Variable Auflage)
Eine Auflage, bei der sich die einzelnen Exemplare innerhalb derselben Serie wesentlich voneinander unterscheiden.

TplA – Tiré par l’artiste (Vom Künstler gedruckt)
Bezeichnet, dass der Künstler den Druck des Werkes selbst ausgeführt hat. Die Bezeichnung wird besonders in der französischen und europäischen Grafiktradition verwendet und verweist auf die direkte Beteiligung des Künstlers am Druckprozess.

E.T. – Eget trykk (Eigener Druck)
Eine norwegische Bezeichnung für Werke, die vom Künstler selbst gedruckt wurden. Sie entspricht in der Praxis der französischen Bezeichnung TplA.

Es gibt keinen absoluten internationalen Standard dafür, wie viele Exemplare als EA, HC, PP oder ähnliche zusätzliche Drucke außerhalb der Hauptauflage hergestellt werden dürfen. Eine verbreitete Richtlinie ist jedoch, dass solche zusätzlichen Exemplare zusammen etwa 10 % der Hauptauflage nicht überschreiten sollten.

Manchmal werden diese zusätzlichen Exemplare auch separat nummeriert, zum Beispiel HC 1/3 – HC 3/3. In diesem Fall bilden sie eine eigene begrenzte Serie außerhalb der Hauptauflage.

Originalgrafik und Reproduktionen

Die Grundsätze für Signierung, Nummerierung und Dokumentation gelten für Originalgrafiken unabhängig von der verwendeten Technik – von traditionellen Druckverfahren bis zu digitalen grafischen Prozessen.

Reproduktionen bestehender Kunstwerke sollen hingegen nicht als Originalgrafiken signiert und nummeriert werden. Eine Reproduktion kann eine sehr hohe technische Qualität besitzen und in einer begrenzten Anzahl von Exemplaren hergestellt werden, gibt jedoch ein bereits bestehendes Werk wieder und ist kein neues originalgrafisches Kunstwerk.

Dennoch kommt es vor, dass Reproduktionen als „Grafik“ oder „Druck“ bezeichnet und mit Signatur und Nummerierung versehen werden. Eine Signatur und eine begrenzte Auflage allein reichen daher nicht aus, um ein Werk als Originalgrafik zu definieren.

Entscheidend ist, ob der grafische Prozess Teil der Entstehung des Kunstwerkes ist oder ob der Druckprozess lediglich dazu dient, ein bereits vorhandenes Werk zu vervielfältigen. Originalgrafik beschreibt daher nicht nur die Art der Herstellung eines Bildes, sondern das Verhältnis zwischen dem schöpferischen Prozess des Künstlers, der grafischen Methode und dem fertigen Werk.