Lithografie

Wenn Fett und Wasser das Bild erzeugen

Die Lithographie ist ein Flachdruckverfahren, bei dem das Motiv entsteht, ohne dass die Druckform erhabene oder vertiefte Bereiche besitzt. Sowohl die druckenden als auch die nichtdruckenden Bereiche liegen auf derselben Ebene. Das Bild entsteht durch die unterschiedlichen Eigenschaften der Oberfläche gegenüber Wasser und Fett.

Der Name Lithographie stammt aus dem Griechischen: lithos (Stein) und graphein (schreiben oder zeichnen) und bedeutet „Steinschrift“. Die Bezeichnung verweist auf die ursprüngliche Form der Technik, bei der ein Kalkstein als Druckform verwendet wurde. Wenn tatsächlich von einem Stein gedruckt wird, spricht man auch von Steindruck. Lithographische Verfahren mit Metallplatten werden entsprechend als Algraphie bei Aluminiumplatten oder Zinkographie bei Zinkplatten bezeichnet.

Die Lithographie wurde 1797/98 von dem deutschen Dramatiker und Erfinder Alois Senefelder entwickelt. Senefelder suchte nach einer kostengünstigen Methode, um eigene Theatermanuskripte und Noten in größeren Stückzahlen herzustellen. Durch seine Experimente entdeckte er, dass die unterschiedlichen Eigenschaften von fettbehandelten und wasserhaltigen Bereichen einer ebenen Oberfläche genutzt werden konnten, um die Aufnahme der Druckfarbe zu steuern.

Diese Entdeckung ermöglichte ein neues Druckverfahren, bei dem ein Motiv von einer ebenen Druckform übertragen werden konnte, ohne dass es eingeschnitten, graviert oder als Reliefstruktur aufgebaut werden musste. Damit entstand eine neue grafische Methode, bei der chemische Eigenschaften der Oberfläche an die Stelle der mechanischen Unterschiede zwischen erhabenen und vertieften Druckflächen traten, wie sie bei älteren Drucktechniken verwendet wurden.

Die Technik gewann große Bedeutung in der Kunstgrafik, Illustration, Kartografie und im kommerziellen Druck. Sie ermöglichte eine direkte zeichnerische Arbeitsweise auf der Druckform und bot dadurch andere gestalterische Möglichkeiten als traditionelle Hoch- und Tiefdruckverfahren.

Das lithografische Prinzip

Eine lithographische Druckform besteht aus einer ebenen Oberfläche, die so behandelt wird, dass bestimmte Bereiche fetthaltige Druckfarbe aufnehmen können, während andere Bereiche Wasser halten und die Farbe abweisen.

Das Motiv wird mit einem fetthaltigen Material aufgetragen, beispielsweise mit lithographischer Kreide, Tusche oder anderen öl- beziehungsweise fetthaltigen Medien. Durch eine anschließende chemische Behandlung werden die gezeichneten Bereiche für die Aufnahme von Druckfarbe vorbereitet, während die übrigen Bereiche wasserfreundlich bleiben.

Beim Druck wird die Oberfläche zunächst mit Wasser befeuchtet. Das Wasser sammelt sich auf den Bereichen, die nicht drucken sollen. Wird anschließend fetthaltige Druckfarbe über die Oberfläche gewalzt, haftet sie nur an den behandelten Bildstellen.

Das Papier wird danach gegen die Druckform gepresst und nimmt die Farbe auf. Anders als beim Tiefdruck oder Hochdruck entsteht das Bild somit nicht durch eine physische Struktur der Druckform, sondern durch chemische Unterschiede in den Eigenschaften der Oberfläche.

Steindruck

Die ursprüngliche Form der Lithographie ist der Steindruck, bei dem die Druckform aus einem Kalkstein besteht. Der Begriff bezeichnet ausschließlich die Herstellung eines lithographischen Drucks, bei dem tatsächlich ein Stein als Druckform verwendet wird.

Traditionell wurden besonders dichte und feinkörnige Kalksteine verwendet, vor allem aus Solnhofen in Bayern. Diese Steine besitzen eine gleichmäßige Oberfläche, die sowohl feinste Linien als auch differenzierte Tonwerte und flächige Zeichnungen aufnehmen kann.

Vor der Bearbeitung wird der Stein sorgfältig geschliffen und vorbereitet, damit eine geeignete Oberfläche für die lithographische Arbeit entsteht. Das Motiv wird anschließend direkt auf den Stein aufgetragen, meist mit fetthaltigen Materialien wie lithographischer Kreide, Tusche oder anderen fetthaltigen Medien.

Nach der chemischen Behandlung der Steinoberfläche entsteht die eigentliche lithographische Druckform: Die gezeichneten Bereiche nehmen später die fetthaltige Druckfarbe auf, während die übrigen Bereiche Wasser halten und die Farbe abweisen.

Beim Drucken wird der Stein zunächst angefeuchtet. Anschließend wird fetthaltige Druckfarbe über die Oberfläche gewalzt. Sie haftet nur an den behandelten Bildstellen, während die feuchten, nichtdruckenden Bereiche die Farbe abstoßen. Durch den Druck der Presse wird das Motiv auf das Papier übertragen.

Der Steindruck besitzt mehrere besondere technische Eigenschaften:

  • Die gleichmäßige Oberfläche des Kalksteins ermöglicht feinste Linien, subtile Tonwerte und detaillierte Strukturen.
  • Das Motiv kann direkt wie eine Zeichnung entwickelt werden, mit Linien, Flächen, Pinselarbeit und weichen Übergängen.
  • Die Druckform kann für mehrere Abzüge verwendet und anschließend abgeschliffen und für neue Arbeiten vorbereitet werden.
  • Bei der Farblithographie werden in der Regel mehrere Steine verwendet, wobei jeder Stein eine Farbe oder Farbschicht trägt. Eine präzise Registrierung zwischen den einzelnen Steinen ist notwendig, damit die Farben das fertige Bild korrekt aufbauen.

Der Steindruck blieb trotz der später entwickelten Metallplattenverfahren eine eigenständige künstlerische Technik. Seine Verbindung aus direkter Zeichnung, chemischem Verfahren und handwerklicher Bearbeitung macht ihn bis heute zu einer wichtigen Form der künstlerischen Lithographie.

Plattenlithographie, Algraphie und Zinkographie

Obwohl die Lithographie ursprünglich mit Kalkstein als Druckform entwickelt wurde, wurden später auch Metallplatten als Alternative eingesetzt. Besonders Aluminium gewann eine große Bedeutung, aber auch Zink und andere Metalle wurden verwendet.

Die Algraphie (Lithographie auf Aluminiumplatten) und die Zinkographie (Lithographie auf Zinkplatten) beruhen auf demselben Grundprinzip wie der Steindruck: Das Motiv und die nichtdruckenden Bereiche liegen auf derselben Ebene, und das Bild entsteht durch die unterschiedlichen Eigenschaften der Oberfläche gegenüber Wasser und Fett.

Die Metallplatte wird so behandelt, dass die Bereiche des Motivs fetthaltige Druckfarbe aufnehmen, während die übrige Oberfläche Wasser hält und die Farbe abweist.

Der Übergang vom Stein zur Metallplatte brachte mehrere praktische Vorteile. Kalkstein ist schwer und besonders bei großen Formaten schwierig zu handhaben. Metallplatten sind wesentlich leichter, widerstandsfähiger und können mit gleichmäßiger Qualität hergestellt werden.

Außerdem lassen sich Metallplatten biegen und auf zylindrische Druckzylinder aufspannen. Dadurch wurden sie besonders geeignet für den Einsatz in Rotationsdruckmaschinen.

Diese Möglichkeit war eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung moderner schnelllaufender Druckmaschinen. Statt eine flache Druckform bei jedem Druckvorgang vor- und zurückzubewegen, kann eine rotierende Druckplatte kontinuierlich durch die Maschine geführt werden. Dadurch werden sehr hohe Druckgeschwindigkeiten und eine effiziente industrielle Produktion ermöglicht.

Die Entwicklung von Metallplattenverfahren war eine wichtige Grundlage für den Übergang von der traditionellen Steinlithographie zur industriellen Lithographie und später zum Offsetdruck. Gleichzeitig blieb die Algraphie als künstlerische Technik erhalten, da sie viele gestalterische Möglichkeiten des Steindrucks bewahrt, jedoch andere praktische Eigenschaften besitzt.

Offset – das indirekte lithographische Druckverfahren

Der Offsetdruck basiert auf demselben grundlegenden Prinzip wie die Lithographie, jedoch wird das Bild nicht direkt von der Druckform auf das Papier übertragen.

Die Technik wurde ursprünglich entwickelt, um auf Materialien zu drucken, die sich nicht gut für den direkten Druck von einer harten Druckform eigneten. Besonders beim Druck auf Metallplatten und andere feste Materialien war es schwierig, einen gleichmäßigen Kontakt zwischen Druckform und Oberfläche herzustellen.

Die Lösung bestand darin, eine elastische Gummituchschicht als Zwischenübertragung einzusetzen. Das Bild wird zunächst von der Druckplatte auf das Gummituch übertragen und anschließend vom Gummituch auf das zu bedruckende Material.

Später wurde erkannt, dass dieses Verfahren auch für Papier hervorragende Ergebnisse liefert. Der Offsetdruck entwickelte sich deshalb zur wichtigsten industriellen Methode für die Herstellung von Zeitungen, Büchern, Zeitschriften und anderen Druckerzeugnissen.

Ein technischer Unterschied zwischen direkter Lithographie und Offset liegt in der Spiegelung des Motivs:

  • Beim direkten lithographischen Druck muss das Motiv spiegelverkehrt auf der Druckform angelegt werden, damit es auf dem Papier seitenrichtig erscheint.
  • Beim Offsetdruck wird das Motiv zunächst auf das Gummituch und anschließend auf das Papier übertragen. Diese zusätzliche Übertragung erzeugt eine zweite Spiegelung, sodass der fertige Druck seitenrichtig gegenüber dem Motiv auf der Druckplatte erscheint.

Obwohl der Offsetdruck heute meist nicht mehr als Lithographie bezeichnet wird, beruht er weiterhin auf den lithographischen Prinzipien, die von Senefelder entwickelt wurden.

Farblithographie

Die Farblithographie basiert auf demselben Prinzip wie die Schwarz-Weiß-Lithographie, benötigt jedoch mehrere Druckformen. Jeder Stein oder jede Metallplatte wird normalerweise für eine Farbe oder Farbschicht verwendet.

Die Farben werden nacheinander mit genauer Registrierung gedruckt. Durch die Kombination transparenter Farbschichten kann eine große Vielfalt an Farbtönen und Tonwerten erzeugt werden.

Historisch spielte die Farblithographie eine wichtige Rolle bei Plakaten, Illustrationen und der Bildreproduktion, bevor fotografische und digitale Verfahren viele dieser Aufgaben übernahmen.

Zeitgenössische Lithographie

Die Lithographie wird weiterhin als künstlerische Technik verwendet, während ihre Prinzipien gleichzeitig in modernen Produktionstechnologien weiterleben.

Digitale Arbeitsprozesse können heute in die Herstellung lithographischer Druckformen einbezogen werden, beispielsweise durch die Herstellung von Filmen, lichtempfindlichen Platten oder digitalen Arbeitsdateien als Grundlage für eine physische Druckform.

Der Einsatz moderner Technologien verändert nicht zwangsläufig den grafischen Charakter eines Werkes. Wenn der Künstler die Druckform und den Druckprozess als Teil des schöpferischen Vorgangs entwickelt, kann das Ergebnis weiterhin Originalgrafik sein.

Die zeitgenössische Lithographie steht somit für die Verbindung von traditionellem grafischem Handwerk, chemischen Verfahren, Materialkenntnis und neuen Technologien – von den ersten Steindrucken des späten 18. Jahrhunderts bis zu heutigen Kombinationen aus klassischen Methoden und digitalen Arbeitsprozessen.